Madagaskar 2022

Ende der 80er sah ich eine Diaschau von einem Pärchen aus meinem damaligen Tauchclub, das Madagaskar besucht hatte. Die waren dort etliche Wochen auf eigene Faust mit Taxi brousse umher gereist.

Ich war zuvor schon in Indien, Thailand und Indonesien gewesen, was damals noch recht abenteuerlich war. Nach der Diaschau schien mir Madagaskar aber nochmal deutlich exotischer und ursprünglicher zu sein. Ich habe mir dann schon bald einen Reiseführer dazu gekauft, den DuMont Madagaskar von Wolfgang Därr und Anne Wodtcke, 2. Auflage, 1987. Der steht heute noch bei mir im Regal.

Seit damals wollte ich immer Madagaskar besuchen … also über 30 Jahre!

Aber ihr wisst ja: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt! Immer wieder kam mir irgend etwas dazwischen, so dass Mada in meinen Gedanken immer weiter in den Hintergrund geriet. Ganz vergessen habe ich es aber über all die Jahre nie. Jetzt endlich – genauer gesagt, im Oktober 2022 – war es dann endlich soweit.

Schon seit April – kurz nach der Rückkehr von unserer Reise nach Jordanien – hatte ich im Madagaskar-Forum und auch auf Tripadvisor eruiert wie und wohin wir da reisen würden. Ich bin ja eigentlich Individualist und lasse mir nicht gerne von jemand – wie z.B. einem Fahrer – drein reden wo es hingehen soll. In meinen meisten Urlauben habe ich einen Scooter oder ein Auto gemietet um das Land auf eigene Faust zu erkunden.

Mit diesem Scooter bin ich 2018 auf Ambon rumgegurkt.

Da kann man dann auch mal spontan die Route ändern, wenn es gerade sinnvoll oder interessant erscheint. Ursprünglich hatte ich das auch für Madagaskar so angedacht.

Aber als es dann so ab Juni wieder mehr internationale Flugverbingungen nach Mada gab füllten sich in einigen der interessantesten Gegenden die Hotels recht zügig. Und da es an manchen dieser Hotspots nur wenige Hotels (die meiner Freundin gut genug erschienen) gibt wurde schnell klar, dass man lange voraus buchen muss, um vor Ort was passendes zu finden. Spontane Abweichungen von einer langfristig geplanten Route würden da nicht mehr möglich sein.

In den Foren wurde überwiegend von selbst fahren abgeraten. Und da die Straßen in Mada bekanntermaßen schlecht sind, die Distanzen groß, selbst fahren entsprechend ermüdend wäre und man ggfs. lange auf Hilfe warten müsste wenn etwas schief geht – z.B. der Mietwagen ausfällt – haben wir uns dann entgegen unserer sonstwo üblichen Gewohnheiten entschlossen, doch ein Auto mit Fahrer zu suchen.

Wir haben dann einige der in den Foren empfohlenen, in Mada ansässigen Veranstalter angeschrieben und diverse Tourvorschläge erhalten. Letztlich haben wir dann mit Dadamanga eine Privattour nach unseren Vorstellungen – Schwerpunkt Natur und Landschaft – ausgehandelt. Privattour deshalb weil ich nicht gut mit Reisegruppen harmoniere. Ich fotografiere gern „etwas ausführlicher“ :-), da macht man sich schnell als ewig Letzter oder Bremser in der Gruppe unbeliebt. Oder andersrum: wenn ich versuche das zu vermeiden habe ich nicht genug Zeit um Fotos zu machen wie ich sie mir (manchmal) vorstelle.

Dadamanga erstellt ausführlich beschriebene und bebilderte Reiseverläufe, das fanden wir schon mal vorbildlich. Die anfänglich vorgeschlagene Tour entsprach noch nicht ganz unseren Vorstellungen, aber nach etlichem Hin und Her via Email, wo es dann jedesmal eine komplett aktualisierte und bebilderte Tourbeschreibung gab, passte es dann. Und diese Tour war dann auch richtig gut, wie ihr im weiteren Verlauf dieses Blogs sehen werdet!

Am 7. Oktober 2022 ging es los, wir flogen mit Air France München – Paris – Antananarivo. Das war zum Zeitpunkt unserer Buchung die günstigste Verbindung, und auch die schnellste. Die Umsteigezeit in Paris Charles de Gaulle war zwar nicht sehr kurz, aber im Nachhinein waren wir darüber ganz froh da wir beim Umsteigen durch eine Passkontrolle mussten, vor der es einen ziemlich chaotischen Stau gab, der uns so lange aufhielt dass wir schon befürchteten wir könnten den Anschlussflug verpassen.

Aber wir haben den Flug dann doch noch erreicht, und er war auch pünktlich. So kamen wir kurz vor Mitternacht am internationalen Flughafen von Tana an. Bis wir dann unsere Visa und unser Gepäck kriegten dauerte dann nochmal geraume Zeit. Anschließend wollten wir noch Geld vom ATM in der Ankunftshalle abheben, das funktionierte erst mal nicht. Zum Glück hatten wir da schon den Fahrer unseres ersten Hotels kennengelernt, und der zeigte uns dann einen weiteren ATM so ungefähr am anderen Ende der Halle.

Bis wir das Hotel – wir hatten für die ersten 2 Nächte das Tsanga Tsanga gebucht – erreichten war es dann schon nach 1 Uhr. Das Zimmer in Tsanga Tsanga war sehr ordentlich und auch einigermaßen gut ausgestattet, beim Frühstück – im obersten Stockwerk – waren wir aber allein, und das Frühstück war zwar okay, aber doch eher von der spartanischen Sorte.

Um Kosten zu sparen hatten wir die Tour mit Dadamanga erst ab 9.10. gebucht, da wir uns dachten, die Stadt können wir auch zu Fuß und ohne Führer erkunden. So hatten wir den 8.10. dafür Zeit.

Als erstes gingen wir zum Telma Shop in der Av. de l’Independence um lokale SIM-Karten zu kaufen. Das dauerte schon eine ganze Weile, und da wir auch nicht wirklich früh aufgestanden waren war es bis wir damit fertig waren schon fast Mittag.

Wo wir genau waren könnt ihr anhand meines GPS-Track – gelb auf diesem Google Earth Screenshot – sehen. Ich lasse auf Reisen immer die Locus Map App einen GPS-Track aufzeichnen, wo nicht nur festgehalten wird wann ich wo war, sondern auch mit welcher Geschwindigkeit ich da unterwegs war, und – anhand eines Höhenprofils – auch wie sehr es auf der Tour auf und ab ging. Schreibt mir einen Kommentar wenn ihr dazu Fragen habt.

Von der Av. de l’Independence gingen wir erst Richtung Lac Anosy, und wie man anhand des ersten, kleineren Buckels des Höhenprofils erkennt, mussten wir da schon den ersten kleinen Hügel überwinden. Das ist recht typisch für Tana: es ist recht hügelig, und liegt auf etwas über 1200 bis 1435 Meter über dem Meer.

Auf dem Weg kamen wir in einer kleineren Straße an dieser offen stehenden Hütte vorbei. Normalerweise fotografiere ich ja nicht einfach in Häuser fremder Leute rein, aber bei diesem wilden Chaos und da zunächst auch niemand zu sehen konnte ich nicht widerstehen. Prompt kam natürlich der Hausherr 🙂

Weiter Richtung Lac Anosy kamen wir an einer Reihe „Open Air Werkstätten“ vorbei.

Der See – Lac Anosy – hat uns beim ersten Anblick nicht wirklich gefallen…

… allerdings können wir rückblickend über den ganzen Madagaskar-Urlaub sagen dass das Plastik-Müll-Problem in Mada weit weniger ausgeprägt ist als in vielen anderen Ländern. Wir hatten ja März/April  Jordanien besucht, das ist leider extrem mit Plastik zugemüllt, viel schlimmer als Mada. Unser Fahrer erklärte uns später, dass die Madegassen Plastikflaschen in aller Regel wiederverwenden bis es nicht mehr geht, und deswegen nicht viele in der Landschaft enden.

Weiter nach oben sieht der Blick über den See schon interessanter aus:

Nicht direkt Open Air, aber auch eine Art Handwerker finden sich in diesen blauen Verschlägen:

Friseure!

Auf der Suche nach einem sehr schönen Blumenmarkt, den es laut Reiseführer am Rande des Sees geben sollte gingen wir dann um den See herum. Den Blumenmarkt haben wir leider nicht gefunden, er ist wohl umgezogen. Von der anderen Seite sah der See mit der da hinein gebauten Statue l’Angle Noir (schwarzer Engel) schon deutlich besser aus.

Als wir da so zurück blickten kam plötzlich dieser Raubvogel geflogen,

stürzte sich in den See und stieg sogleich mit einem ziemlich großen Fisch in den Fängen wieder auf!

Nachdem wir die Suche nach dem Blumenmarkt aufgegeben hatten gingen wir Richtung Südwesten. Dort gab es – über mehrere Straßen verteilt – einen Markt (ohne Blumen 🙁 ).

So eine riesige Auswahl haben wir außerhalb Tana nirgendwo gesehen. Aber selbst in Tana fiel das Fehlen jeglicher importierter Früchte oder Gemüse auf. Naja man könnte argumentieren dass man bei der Auswahl nicht auch noch teuer importiertes Obst braucht. Aber mir würden bei längerem Aufenthalt sicher irgendwann Äpfel fehlen. Oder gibt’s die vielleicht in größeren Malls? Gibt es überhaupt Malls? Wir haben keine gesehen, aber das heißt ja nichts, schließlich haben wir auch nicht wirklich danach gesucht.

Schreibt mir mal wenn ihr mehr dazu wisst!

Wer kennt diese Beeren?

Frisches Fleisch, so sagte uns später unser Fahrer, wird immer am selben Tag verkauft an dem geschlachtet wurde. Da kaum jemand einen Kühlschrank hat ist das auch bitter nötig, ganz besonders natürlich wenn es sich wie hier um Geflügel handelt. Was am Abend noch übrig bleibt würde am nächsten gegrillt verkauft, sagte er.

Angesichts der ganzen „Leckereien“ 🙂 kriegten wir Hunger. Es gab in der Gegend auch etliche Restaurants, darunter auch einige gut bewertete. Aber die waren entweder geschlossen, überfüllt oder sahen uns zu schäbig aus. So gingen wir in ein kleines Thai Restaurant, dem Aroy. Dort saßen wir dann etwas ab von der Straße angenehm schattig und ruhig, mussten allerdings geraume Zeit auf unser Essen warten. Das Pad Thai mit Crevetten, das Irmi sich bestellt hatte war gut, der Rot-Curry mit Schwein den ich mir auserkoren hatte dagegen eher bescheiden – zwar gut genießbar, aber nicht sehr Thai. Okay der Hunger war gestillt, und darauf kommt es letztlich an.

Anschließend gingen wir auf einem Fußweg, den Google Maps nicht kennt, die Openandromaps in meiner Locus App zum Glück aber doch, durch enge Gassen und eine steile Treppe und somit auf kürzestem Weg hinauf zum Rova, dem Königspalast.

Der Weg gab uns den ein oder anderen Einblick in kleine Innenhöfe oder Vorräume der Einheimischen,

allerdings war der Aufstieg in der drückenden Nachmittagshitze eine Tortur.

Dafür wurden wir oben belohnt mit einem grandiosen Panorama-Blick auf den See und die Stadt …

… und vielerlei Blumen.

Den Rova kann man leider nicht besichtigen. Und man darf ihn auch nicht fotografieren – was ich aber „leider“ erst erfuhr nachdem ich dieses Foto gemacht hatte. Wir liefen erst um die Außenmauer des Palast-Komplexes herum um eine Stelle zu finden, wo man über die Mauer sieht, fanden aber keine. Dann liefen wir einem Freelance-Guide in die Arme, der mir dann eine Stelle zeigte: gleich neben dem hinteren, südlichen Tor (das verschlossen war) kann man in einer Innenecke der Mauer soweit hinauf klettern, dass man zumindest eine Kamera hineinhalten kann. Da war ich dann wieder einmal sehr froh dass ich ein Ultraweitwinkel-Objektiv habe – sonst hätte ich nicht den Palast und die Kapelle auf ein Bild bekommen.

Später wollte ich auch noch ein Foto vom Nordeingang her machen, aber als ich da die Kamera schwang kamen sofort Wachen gelaufen und machten mir klar, dass das verboten ist.

Wir gingen dann einer größeren Straße entlang langsam zurück Richtung Unterstadt. Hier noch ein paar Eindrücke die wir unterwegs kriegten:

Auf dem Rückweg wollte Irmi von einen Bank of Africa ATM 700.000Ar abheben, da zog der Automat ohne Vorwarnung die Visa Karte – Irmi’s einzige – ein! Wenn einem sowas gleich am ersten Tag (von einem über 4-wöchigen Aufenthalt im Land) passiert ist das ein ganz schöner Schock. Zum Glück hatte ich noch 2 weitere Visa Karten dabei, und es gab keinen weiteren derartigen Vorfall mehr. Obwohl ich tlw. sogar bis zu 800.000Ar abhob.

Am Abend gingen wir ins Restaurant Outcool Buta Stupa. Hier probierte ich zum ersten mal Zebu Steak – sehr lecker, und dabei gar nicht teuer. Es sollte nicht das einzige bleiben!

Mehr demnächst in diesem Theater.

erstellt am: 14.01.2023 | von: Wolfgang Schweitzer | Kategorie(n): Allgemein



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